Auswertung Rufzeichen in Deutschland · Stand 23. Oktober 2026 · Vergleich mit der Liste vom 14.09.2026

Vermutete Alterspyramide im Amateurfunk — die ganze Spurensuche

Vornamen nach Geburtsjahr, die Lizenzzahlen seit 1933, die Ortsverbände, und eine Alterspyramide samt Gegenprobe über die neue Lizenzklasse N — alles an einem Ort, mit offener Methodik statt schneller Behauptungen.

70.009 Rufzeichen in der Auswertung

Quelle: Bundesnetzagentur, Rufzeichenliste (§ 15 AFuV), Stand 23. Oktober 2026. Eigene Auswertung von DC1AS — nicht von der Bundesnetzagentur erstellt, geprüft oder empfohlen; Angaben ohne Gewähr. Die Daten wurden verarbeitet und zu Statistiken zusammengefasst; Namen und Adressen einzelner Personen werden nicht veröffentlicht, die Rohliste wird nicht angeboten.

✉ Feedback, Wünsche, strukturelle Fehler gefunden? Oder eine eigene Auswertung gewünscht? Melde dich gerne: alexschweigert@gmail.com. 73, Alex — DC1AS

Anlass dieser Seite: Die Vornamen-/Generationen-Auswertung auf dieser Website wurde in Diskussionen (u. a. auf Facebook) als „mit KI erstellt“ und damit als unseriös kritisiert. Diese Seite bündelt deshalb alles zum Thema „vermutete Alterspyramide im Amateurfunk“ an einem Ort — mit offen gelegter Methodik, echten Quellen für jede Zahl, und expliziten Hinweisen, wo eine Zahl eine Modellrechnung statt einer echten Messung ist.

📊 Die Lage in vier Zahlen

Höchststand (2002)
80.874
persönliche Amateurfunkzulassungen
Stand 2025
61.105
−24.4 % gegenüber 2002
Ortsverbände
~1.000
in 24 DARC-Distrikten
geschätztes Altersmittel
~64
Vornamen-Näherung, unterschätzt Junge — siehe unten

🔺 Die Alterspyramide (Vornamen-Näherung)

Dieselben sechs Generationen-Stufen wie oben, aber nicht mehr als sechs grobe Blöcke: Jede wird als Glockenkurve um ihr geschätztes mittleres Alter verteilt, die Kurven werden addiert und anschließend so hochskaliert, dass die Summe dem tatsächlichen Gesamtbestand von rund 70.009 Funkamateuren entspricht — nicht nur der über Vornamen erfassbaren Stichprobe von rund 33.933. Ergebnis: eine Pyramide in echten 5-Jahres-Altersschritten, die nach oben hin natürlich ausdünnt, bis bei rund 100 Jahren nur noch eine Handvoll übrig bleibt. Wichtiger Vorbehalt bleibt: Grundlage sind weiterhin Vornamen-Häufigkeiten, keine echten Geburtsdaten — und moderne, diverse Vornamen lassen sich damit schlechter erfassen als die wenigen dominanten Namen früherer Jahrzehnte. Die unteren Stufen sind deshalb vermutlich breiter, als hier sichtbar (siehe Gegenprobe mit Klasse N unten).

100+ Jahre
17
95–99 J.
80
90–94 J.
360
85–89 J.
1.821
80–84 J.
4.842
75–79 J.
6.679
70–74 J.
7.264
65–69 J.
7.737
60–64 J.
9.054
55–59 J.
9.703
50–54 J.
8.592
45–49 J.
6.121
40–44 J.
3.404
35–39 J.
1.645
30–34 J.
1.026
25–29 J.
794
20–24 J.
522
15–19 J.
256
10–14 J.
92

📡 Die Gegenprobe: Klasse N gegen den Gesamtbestand

Die Pyramide oben beruht komplett auf Vornamen-Näherung. Es gibt genau eine Zahl auf dieser Seite, die das nicht tut: die Lizenzklasse. Klasse N gibt es erst seit dem 24. Juni 2024 — jeder Klasse-N-Inhaber hat sein Rufzeichen also erst in den letzten rund zwei Jahren bekommen. Das ist kein Alters-Beweis (auch ältere Neueinsteiger können Klasse N wählen), aber ein echter, amtlicher Beleg dafür, dass gerade jetzt neue Leute dazukommen — unabhängig von jeder Vornamen-Schätzung. Klasse E dagegen ist kein guter Vergleichswert: sie geht auf die 1997 eingeführte alte Klasse 3 zurück und wurde 2005 nur umbenannt — ein Klasse-E-Rufzeichen kann ebenso gut 25 Jahre alt sein wie einen Monat.

Gesamtbestand
70.009
alle Rufzeichen, Klasse A+E+N
Klasse N (seit 06/2024)
1.193
≈ 1,70 % des Gesamtbestands
Klasse E (seit 1997/2005)
10.251
kein Alterssignal, siehe Text
Klasse A
58.565
Vollzugangsklasse
Gesamtbestand
70.009
davon Klasse N
1.193

Der Klasse-N-Balken ist maßstabsgetreu zum Gesamtbestand: rund 1,70 %. Klein, aber ausschließlich neu: ein echtes Lebenszeichen, das die Vornamen-Pyramide oben nicht zeigen kann.

🕰️ Von Anfang an

Amateurfunk in Deutschland ist fast so alt wie das Rundfunkzeitalter selbst. Zwischen den frühesten Sendegenehmigungen und der heutigen, lückenlosen amtlichen Jahresstatistik liegen fast hundert Jahre — mit einer langen Lücke, für die es nur vereinzelte Stichtage und keine durchgängige Reihe gibt (siehe Chart weiter unten).

📉 Der Lizenzverlauf seit 1933

Die durchgezogene Linie (2000–2025) stammt direkt aus den jährlichen Teilnehmerzahlen-Statistiken der Bundesnetzagentur (jeweils Stand 31.12., Spalte „Anzahl der Amateurfunkzulassungen“) — keine Vornamen-Näherung, keine Interpretation. Die gestrichelte Linie davor verbindet vier tatsächlich belegte historische Stichtage (1933: 180, 1939: 600, 1949: 700, 1954: 3.389 — letzterer laut deutscher Wikipedia „Amateurfunkdienst“) mit einem einzigen, unsicheren Sekundärquellen-Wert für 1962 (rund 15.000, laut rtc-dl.de — diese eine Quelle ist unbelegt und nennt an anderer Stelle einen widersprüchlichen Wert, daher ausdrücklich mit Vorsicht zu lesen). Zwischen 1962 und 2000 existiert keine einzige belastbare Zahl — die gestrichelte Linie ist dort reine geometrische Interpolation, keine Messung.

022.50045.00067.50090.000194019601980200020201933180 LizenzenErste Sendegenehmigungen (Reichspost)1939600 LizenzenVor Kriegsbeginn1949700 LizenzenErste Nachkriegs-Genehmigungen (23.3.)19543.389 LizenzenQuelle: de.wikipedia.org1962≈ 15.000 LizenzenUnsicher — eine Sekundärquelle200079.380 LizenzenErste durchgängige BNetzA-Jahresstatistik200280.874 LizenzenHöchststand202561.105 Lizenzen−24.4 % ggü. 2002

Quellen: Bundesnetzagentur, „Amateurfunk in Deutschland – Teilnehmerzahlen“ (2000–2025); de.wikipedia.org/wiki/Amateurfunkdienst (1954); rtc-dl.de/die-geschichte-des-amateurfunks (1962, unsicher). 1933/1939/1949 wie oben in der Zeitleiste.

👤 Vornamen-Recherche nach Geburtsjahr

Für jeden der häufigsten Vornamen wurde recherchiert, in welchen Jahrzehnten er in Deutschland tatsächlich zu den beliebtesten Jungennamen zählte (Quelle: beliebte-vornamen.de, Auswertung von über einer Million Geburtsmeldungen seit 1890). Die Balken zeigen die reale Zeitspanne — bewusst überlappend, nicht exklusiv einer einzigen Generation zugeordnet. Wer zum Beispiel 1968 als „Alexander“ geboren wurde, findet sich hier wieder, auch wenn der Name seinen Beliebtheits-Höhepunkt erst in den 1990ern hatte.

1920 1940 1960 1980 2000 2020
Karl-Heinz
305
Hans
658
Gerhard
640
Werner
598
Helmut
545
Günter
427
Rolf
404
Bernhard
404
Heinz
373
Walter
336
Karl
323
Herbert
308
Franz
305
Georg
292
Josef
279
Rudolf
262
Heinrich
203
Johann
201
Hermann
198
Wilhelm
198
Friedrich
187
Richard
171
Kurt
169
Günther
149
Alfred
147
Harald
449
Horst
417
Siegfried
255
Armin
165
Peter
1.558
Wolfgang
1.382
Klaus
1.092
Jürgen
1.061
Manfred
871
Uwe
732
Dieter
686
Reinhard
331
Gerd
290
Udo
271
Hartmut
229
Lothar
224
Wilfried
223
Dietmar
213
Hans-Jürgen
204
Hans-Joachim
181
Michael
2.096
Bernd
810
Rainer
586
Ulrich
537
Joachim
508
… mehr anzeigen (50 weitere Vornamen, Rang 51–100)
Norbert
433
Holger
388
Detlef
206
Rüdiger
142
Reiner
142
Thomas
1.939
Andreas
1.568
Frank
975
Jörg
694
Ralf
677
Dirk
504
Jens
448
Roland
426
Volker
352
Axel
271
Carsten
263
Thorsten
240
Ingo
236
Olaf
215
Torsten
213
Heiko
198
Jochen
194
Lutz
167
Karsten
144
Stefan
1.007
Christian
993
Markus
727
Matthias
667
Oliver
367
Stephan
340
Sven
289
Marco
193
Steffen
189
Mario
180
Kai
168
Lars
143
Marcus
141
Martin
977
Robert
388
Christoph
375
Daniel
364
Sebastian
330
Johannes
322
Florian
243
Sascha
182
Patrick
170
Alexander
524
Tobias
324
Jan
312
Paul
189

Balken = Jahrzehnte, in denen der Name unter den Top 50–120 des jeweiligen Jahrzehnts lag. Punkt = Jahrzehnt der größten Beliebtheit. Balkenfarbe = Häufigkeit bei DC1AS-Funkamateuren (dunkler = häufiger). Auch diese Zeitreise ersetzt keine echte Alterserhebung — die BNetzA-Liste enthält kein Geburtsdatum. Ab Rang 51 sind einige Zeitspannen gröber geschätzt (zusammengesetzte Namen aus zwei Bestandteilen kombiniert, „Lutz“ ohne Beleg in den Ranglisten).

📻 Sechs Generationen, grob eingeordnet

Dieselbe Grundlage wie die Zeitreise oben (inzwischen 100 recherchierte Vornamen), jetzt zusammengefasst in sechs groben Stufen statt Einzelnamen — praktisch für den schnellen Überblick. Je Stufe stehen darunter zehn Beispiel-Vornamen mit Beliebtheits-Höhepunkt in diesem Zeitraum (Bereiche überlappen bewusst, siehe Zeitreise oben).

Frühe Nachkriegsgeneration~1920er–1945
4.721 · 13,9 %
Beispiele: Hans, Gerhard, Werner, Helmut, Harald, Günter, Horst, Rolf, Bernhard, Heinz
Wirtschaftswunder-Generation~1945–1958
8.846 · 26,1 %
Beispiele: Michael, Peter, Wolfgang, Klaus, Jürgen, Manfred, Bernd, Uwe, Dieter, Rainer
Späte Nachkriegsgeneration~1958–1968
4.743 · 14,0 %
Beispiele: Thomas, Andreas, Frank, Jörg, Ralf, Dirk, Jens, Roland, Volker, Axel
Babyboomer~1965–1978
11.082 · 32,7 %
Beispiele: Thomas, Andreas, Stefan, Christian, Frank, Markus, Jörg, Ralf, Matthias, Dirk
Generation X~1975–1985
2.834 · 8,4 %
Beispiele: Stefan, Christian, Markus, Matthias, Oliver, Stephan, Sven, Marco, Steffen, Mario
Millennials & Generation Z~1985–heute
1.707 · 5,0 %
Beispiele: Martin, Alexander, Robert, Christoph, Daniel, Sebastian, Tobias, Johannes, Jan, Florian

🔍 Drei Vergabe-Epochen: was ein Rufzeichen wirklich verrät

Wichtig zur Abgrenzung: Hier geht es nicht um das Alter des heutigen Inhabers (das war Thema der Vornamen-Pyramide oben), sondern nur um das Rufzeichen selbst — die Zeichenfolge. Seit wann kann sie frühestens existieren? Der Präfix-Buchstabe allein sagt dazu nichts: „DL1xx sieht alt aus, also ist es alt" ist ein Trugschluss. Rufzeichen der Klasse A dürfen laut §11 AFuV nach Ablauf (Tod, Verzicht, Nichtzahlung) nach zweijähriger Sperrfrist neu vergeben werden — ein historisches „DL1..." von 1952 und ein vor vier Wochen neu zugewiesenes „DL1..." sehen identisch aus. Die einzige belastbare Grundlage ist deshalb nicht der Präfix, sondern die Lizenzklasse — und die kennt genau drei Epochen. Die vollständige Präfix-Zeitreise (Besatzungszonen, deutsche Teilung, Wiedervereinigung) steht auf der Seite „Kuriositäten II".

ab 06/2024
Klasse N
1.193
1,7 %
Nachweislich neu — kann nicht älter sein als gut zwei Jahre.
ab 1997/2005
Klasse E
10.251
14,6 %
Dieser Rufzeichen-Typ existiert erst seit 1997 — die einzelne Zuteilung kann aber jederzeit in den gut 29 Jahren seither erfolgt sein.
nicht bestimmbar
Klasse A
58.565
83,7 %
Könnte 1949 erstmals vergeben worden sein oder erst letzten Monat — wegen §11-AFuV-Wiedervergabe grundsätzlich nicht unterscheidbar.

Zwei Präfixe erzählen die spannendste Geschichte. DO ist zu 100 % Klasse E — die Zeichenfolge selbst kann in diesem Präfix also gar nicht vor 1997 entstanden sein, unabhängig vom heutigen Inhaber. DN dagegen ist der einzige Präfix, der alle drei Epochen gleichzeitig trägt — 3.943 Klasse A, 795 Klasse E und 1.188 Klasse N unter demselben Präfix-Buchstaben. DN ist damit ein Präfix, in dem sich drei Vergabe-Epochen buchstäblich überlagern: nicht bestimmbare, wiedervergebbare A-Rufzeichen neben Einsteiger-Rufzeichen von vor bis zu 29 Jahren neben nagelneuen Klasse-N-Zulassungen seit 2024.

Seit wann ist das überhaupt möglich? Der Zeitstrahl

Ein Balken pro Präfix (16 Stück, fast überall zu 100 % grau) war kaum lesbar — die Aussage steckt gar nicht im Präfix, sondern in der Klasse selbst. Deshalb hier dieselben drei Klassen als Zeitstrahl von 1949 bis heute: jede Zeile zeigt, seit wann diese Klasse überhaupt existiert bzw. neu vergeben werden kann. Klasse A reicht über den kompletten Zeitraum — nicht weil jedes A-Rufzeichen alt ist, sondern weil keines von ihnen mit Sicherheit datierbar ist.

1950 1960 1970 1980 1990 2010
1997
06/2024
Klasse A
58.565 · 83,7 %
Klasse E
10.251 · 14,6 %
Klasse N
1.193 · 1,7 %

Lesehilfe: je weiter links ein Balken beginnt, desto länger gibt es diese Klasse schon — nicht: desto älter ist ein einzelnes Rufzeichen darin. Die gestrichelten Linien markieren die beiden Einführungsjahre (1997 für Klasse E, Juni 2024 für Klasse N). Klasse A beginnt bei 1949, weil das die frühesten Nachkriegs-Genehmigungen sind — nicht, weil ein heutiges A-Rufzeichen typischerweise so alt ist.

Methodik & Quellen: direkte Auszählung aus der BNetzA-Rufzeichenliste nach Präfix und Lizenzklasse (stats.json, Feld by_class_detail) — keine Schätzung, keine Vornamen-Näherung. Klassen-Historie: Klasse E vormals „Klasse 3" (eingeführt 1997, umbenannt durch die AFuV-Novelle 2005, in Kraft 19.2.2005); Klasse N eingeführt mit Wirkung zum 24.6.2024 (Vfg. 53/2024 & 61/2024 der Bundesnetzagentur). Wiedervergabe-Regel: §11 AFuV (zweijährige Sperrfrist nach Erlöschen). Präfix-Bedeutung: BNetzA-Rufzeichenplan für den Amateurfunkdienst in Deutschland, Verfügung 15/2025, gültig ab 1.4.2025. Präfixe mit sehr kleinen Stückzahlen (DA, DP, DQ, DR — überwiegend Sonder- und Ausnahmeformate) sind in der Liste enthalten, aber statistisch mit Vorsicht zu lesen.

Alle Werte dieser Seite: reine deutschlandweite Summen und offen dokumentierte Modellrechnungen. Keine Einzeladressen, keine Namen von Einzelpersonen, keine Zuordnung zu einem Rufzeichen.